Montag, 1. Juni 2020

Refugee Week 2020 - FlüRa mit zwei Veranstaltungen vertreten

Wir waren nie weg, sind jetzt aber auch wieder für die breite Öffentlichkeit da...!

Und zwar mit zwei (digitalen) Formaten im Rahmen der diesjährigen Refugee Week.

Technischer Hinweis: Die Veranstaltungen finden per Zoom statt, eine Software für Onlienkonferenzen, die jedoch nicht gesondert auf den Computer oder das Smartphone heruntergeladen werden muss. Man muss lediglich auf die untenstehenden Links klicken und ggf. Meeting-ID und Passwort angeben. Bei technischen Schwierigkeiten, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren.


15.06., 17.00 bis 18.30
BLACK BOX ABSCHIEBEHAFT III


Was können wir tun, wenn Mitbürger*innen von Abschiebehaft bedroht sind?
Ein Webinar des Augsburger Flüchtlingsrats mit Rechtsanwalt Peter Fahlbusch am 15.06. um 17:00-18:30 Uhr.

Es passiert selten, dass die Thematik der Abschiebehaft in das Interesse der breiten Öffentlichkeit rückt. Kürzlich hat es doch ein besonders prekärer Fall in die Tagesschau geschaft. Eine 25 Jährige Frau, welche im nächst gelegenen Abschiebegefägnis in Eichstätt inhaftiert war, sollte mitten in der Corona Pandemie , mit einem extra dafür gecharterten Flugzeug nach Togo abgeschoben werden. Wir sind froh, dass diese Abschiebung aufgrund einer erfolgreichen Klage und dem Druck der Öffentlichkeit nicht stattfinden konnte. Die Inhaftierung von Menschen, die nichts verbrochen haben, sondern lediglich ihr Recht auf Asyl oder ein anderes Aufenthaltsrecht wahrnehmen möchten, passiert oft und vor allem meist unbemerkt von der Öffentlichkeit. Die rechtliche Lage um die Abschiebehaftpraxis ist komplex und kann daher abschreckend für Asylsozialberater*innen, Ehrenamtliche, Familienmitglieder und Freund*innen von Betroffenen wirken. Wir möchten uns daher ganz konkret mit der Frage beschäftigen, was wir tun können, wenn Mitbürger*innen von Abschiebehaft bedroht sind. Dafür haben wir den Experten Peter Fahlbusch eingeladen. Herr Fahlbusch widmet seine Profession den Betroffenen von Abschiebehaft. Seit 2001 hat er mehr als 1800 Menschen in Abschiebehaft vertreten. Rund die Hälfte von Ihnen wurde zu Unrecht inhaftiert. Zusammengezählt saßen Mandant*innen von Peter Fahlbusch nach seiner Auswertung insgesamt 62 Jahre zu Unrecht in Abschiebungshaft.


Zoom-Link für die Veranstaltung:
https://kuei.zoom.us/j/99391122917?pwd=dHEyd3gzMyt3QTZmMnFEVnpqUm9vZz09

Meeting-ID: 993 9112 2917
Passwort: J7%xd!P

Der Referent steht auch für Nachfragen zur Verfügung, die Sie/Ihr uns gerne auch bereits im Vorfeld per Mail an fluechtlingsrataugsburg@gmail.com zukommen lassen können/könnt.

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17.06., 19.30 bis 21.00
Für immer auf der Straße... Dublin und die Folgen
Die humanitären Auswirkungen des Dublinsystems am Beispiel der Situation von Abgeschobenen in Italien.
 

Ein Webinar des Augsburger Flüchtlingsrats mit Isabella Geier und
einem aus Mailand zugeschalteten Betroffenen.




Das Dublinsystem wurde eingeführt, um die Länder, die an den europäischen Außengrenzen liegen, haftbar zu machen, wenn sie illegale Einwanderung nicht verhindern. Dann sind sie nämlich für die Asylverfahren zuständig. Infolgedessen ist das Mittelmeer zum Massengrab geworden, und die Rettung aus Seenot wurde kriminalisiert. Die Länder an den Außengrenzen sind überfordert, rechte Parteien auf dem Vormarsch. Statt Geflüchtete auf alle europäischen Mitglieder zu verteilen, werden die Anrainer des Mittelmeers mit den Problemen alleingelassen, ja, Geflüchtete werden wieder in diese Staaten abgeschoben, wenn sie in andere europäische Staaten weiterziehen. Auch aus Deutschland, z. B. nach Italien. Die Situation der Abgeschobenen dort verstößt gegen EU-Recht, aber das kümmert niemanden. Zwar wurden die Abschiebungen wegen Corona ausgesetzt, aber sicher nicht auf Dauer. In dem Webinar soll am Beispiel Italien die konkrete Situation von Abgeschobenen dargestellt – in Kontrast zu aktuellen Rechtsnormen. Ein Betroffener wird zugeschaltet und berichtet über ihre verzweifelte Lage, noch verschärft durch Corona.

Zoom-Link für die Veranstaltung:
https://kuei.zoom.us/j/99119655265?pwd=ajBsZ281NlJoZDZ6bGgwcmJma2k0UT09
Meeting-ID: 991 1965 5265
Passwort: 2gR&8tE
 







Dienstag, 26. Mai 2020

Offener Brief des 'Arbeitskreis unbegleitete Minderjährige (umF) auf Lesbos'


An die Oberbürgermeisterin, Frau Eva Weber
an die Stadträtinnen und Stadträte
sowie die Augsburger Stadtgesellschaft

Arbeitskreis unbegleitete Minderjährige (umF) auf Lesbos

Wie geht es weiter, Frau Oberbürgermeisterin Weber?
Apell für die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus Lesbos

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Weber,
sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,


mit einiger Überraschung und großen Erwartungen haben wir Herrn Dr. Gribls Vorhaben zu Kenntnis genommen, dass die Stadt Augsburg mit den beiden anderen deutschen Friedensstädten Münster und Osnabrück ein Friedensstadtbündnis schließen soll, um die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus den Elendslagern Griechenlands zu ermöglichen. 

In seiner letzten Stadtratssitzung im Amt des Oberbürgermeisters hat Herr Dr. Gribl dafür plädiert, die Angelegenheit noch einmal zu verschieben um das Vorhaben eines Friedensstadtbündnisses abschließen zu können, dass nur wegen der Corona-Pandemie verzögert worden war.  Die Aufnahme von 25 Jugendlichen aus Lesbos, wie auch wir es vorgeschlagen haben, wurde damit ebenfalls vertagt. 

Mit der Idee eines Friedensstadtbündnisses wurde ein Weg vorgezeichnet, wie eine selbstbewusste Großstadt für eine humanitäre Aufnahme von Notleidenden eintreten kann. Eingebettet in eine kluge, stadtpolitisch vorangetriebene Strategie für ein Landesaufnahmeprogramm, könnte dieser Zugang auch ein schnelles Reagieren in künftigen Notsituationen erleichtern.

Wir haben Verständnis dafür, dass es Zeit braucht ein Bündnis der Friedensstädte zu schließen. Andererseits, so die schmerzhafte Erkenntnis, ist jeder Tag, den Menschen in diesen Lagern ausharren müssen, ein verlorener Tag und noch dazu ein schwarzer Tag für die Kinderrechte.
Nun ist der neue Stadtrat zusammengetreten und mit Ihnen, Frau Weber, eine neue Oberbürgermeisterin im Amt, weshalb wir sie gerne fragen würden: „Wie geht es weiter, Frau Oberbürgermeisterin Weber?“.  

Die Lage der Menschen in Moria und an anderen Orten Griechenlands ist bekannt, eine Lösung dennoch nicht in Sicht, wenngleich sie technisch umsetzbar, politisch realisierbar und finanziell möglich ist. 25 Jugendliche nach Augsburg zu holen, zusätzlich zu den bereits nach Deutschland eingereisten 47, wäre ein wichtiger humanitärer Schritt und ein deutliches Signal für eine zügige Verbesserung für die Lager in Griechenland. 

Wir erneuern daher unseren Apell an die Stadtregierung und alle Mitglieder des neu zusammengesetzten Stadtrats: Machen Sie die rasche Aufnahme der ersten 25 Jugendlichen aus den Elendslagern Griechenlands möglich und beauftragen sie die Erstellung eines nachhaltigen Konzepts der Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Setzen Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mittel für ein Landesaufnahmeprogramm ein.  Wir haben in Augsburg den Platz und die Expertise, um diesen zwingenden Akt der Humanität zu leisten.

Wir, die wir Ihnen hier schreiben, vertreten einen großen Teil der Zivilgesellschaft, der dieses Anliegen unterstützt. Wir wollen dabei nicht nur fordern, sondern mit den Verantwortlichen der Stadt Augsburg zusammen die beschützende Friedensstadt ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen

AK Lesbos


Dr. med. Maria Möller, Ärztin, Medizinischer Einsatz auf Lesbos in 2019
Corinna Höckesfeld, Tür an Tür-Integrationsprojekte gGmbH
Gabriele Opas, Freiwilligen-Zentrum Augsburg, Patenschaften für umA ́s
Maria Brandenstein, Praxis Begabungsmanagement, Resilienz und Soziokratie
Dr. med. Elisabeth Friedrichs, Ärztin
Matthias Schopf-Emrich, Vorstand Tür an Tür e.V.
Annalena Nietsch,Studentin
Carsten Unger, Kinder-, Jugend-und Familienhilfe Hochzoll
Simon Oschwald, Einrichtungsleitung Migration, Diakonie Augsburg 
Lilli Martel, Migrationsberatung im Caritasverband und Mitglied im Integrationsbeirat (Ausschuss für Soziales, Asyl, Gesundheit und Recht)